Geschichtliches zum Hotel Sauerlacher Post
- ehemalig königliche Posthalterei -

Das Kloster Tegernsee, eines der ältesten und bedeutendsten Klöster Bayerns, gegründet in der Mitte des 8 Jahrhunderts, wurde im März 1817 vom Bayerischen Königshaus erworben.

Kloster Tegernsee

Bereits ein Jahr später verlegte König Max I. Josef seine Sommerresidenz in das neu erworbene Schloss und hielt Hof in Tegernsee.

Der königliche Oberstallmeister Freiherr von Kessling hatte für die gesamte Strecke von München nach Tegernsee einen Bedarf von 70 Pferden errechnet und diese mussten die am Weg liegenden Gemeinden bereit halten, was auf Dauer keine Lösung war.

Deshalb gab am 31. Juli 1822 das Oberpostamt der Kgl. Bayerischen Regierung bekannt, dass wegen des Sommeraufenthaltes des allerhöchsten Hofes in Tegernsee und in Sauerlach Posthaltereien eingerichtet werden müssten.

Zur damaligen Zeit war ein Reisender von München nach Tegernsee zwei Tage unterwegs mit Übernachtung in Sauerlach.

1825 gab es während der Badesaison in Bad Kreuth bereits eine tägliche Eilwagenverbindung für die Strecke München-Tegernsee-Bad Kreuth.

Unter Posthaltung verstand man seiner Zeit einen Poststall mit Wechselpferden für die Beförderung von Briefen, Personen und kleinen Pakten, der von einem Privatunternehmer geführt wurde.

In der warmen Jahreszeit kamen, bedingt durch die Hofhaltung des Königs in Tegernsee und dem Kurbetrieb in Bad Kreuth immer wieder hohe Persönlichkeiten durch Sauerlach.

Dazu folgende überlieferte Begebenheit:

Für den 27. August 1835 hatte sich seine Exzellenz, der Päpstliche Nuntius Erzbischhof Mercy Dárgenteau in Sauerlach angemeldet und Wechselpferde bestellt. Er hatte in Traunstein der Bayerischen Königin Therese seine Aufwartung gemacht und war auf der Rückreise nach München. In Sauerlach waren anscheinend für Ihn keine Vorbereitungen getroffen worden, der Gast musste warten. Von der Posthalterin, die dann endlich auftauchte, fühlte sich der geistliche Herr wohl nicht in rechter Weise empfangen, sodass er sich am nächsten Tag beim Staatsminister für auswärtige Angelegenheiten schriftlich beschwerte. Er beklagte, dass er sich trotz rechtzeitiger Voranmeldung gedulden musste und das vier Pferde aus Sauerlach von schlechter Qualität gewesen seien, eines lahmte sogar! Am 14. September stellte der Posthalter Lidl in einem Brief die Sache aus seiner Sicht dar. Selbstbewusst erwiderte dieser, dass die bestellten Pferde innerhalb von acht Minuten bereit standen; zudem seien das seine eigenen privaten gewesen, die schon viele gekrönte Häupter und hohe Herren zu deren vollsten Zufriedenheit befördert hätten. Im übrigen erwarte er von Reisenden, die zufrieden sein müssten, keine Grobheiten und er bitte darum, seiner Exzellenz die Bayerische Postordnung zu erklären, zumal der hohe Herr der deutschen Sprache nicht mächtig sei.

Besondere Gäste des Hauses

Im Jahre 1838 reisten Ihre Majestät Alexandra Feodorowna, Kaiserin von Russland, in Begleitung von Alexandra Nicolajewna, Großfürstin und Kaiserliche Hoheit, nach Bad Kreuth mit Aufenthalt in Sauerlach. Ihnen folgte am 12. August seine Majestät Nicolaus I. Pawlowitsch, Kaiser von Russland, aus dem fernen St. Petersburg.


Nicolaus I.
Kaiser von Russland

In der Blütezeit der Sauerlacher Post waren die Stallungen, die nahezu 70 Pferde aufnehmen konnten, fast zu klein; da musste in der geräumigen Gaststube allnächtlich Stroh als Lager für die Fuhrleute aufgeschüttet werden und ab 4.00 Uhr in der Früh wurde angespannt.

Am Kirchweihsonntag im Oktober 1866 brannte die alte Post ab und wurde noch im selben Jahr wieder aufgebaut.

In der Zeit zwischen 1894 und seinem Umzug 1897 in das Gaistal am Wetterstein machte auch Ludwig Ganghofer Station in der königlichen Posthalterei dem heutigen "Hotel Sauerlacher Post". Ludwig Ganghofer war mit millionenfachen Auflagen seiner Bücher und zahlreichen Verfilmungen und Bühnenstücken einer der erfolgreichsten deutschen Autoren des vergangenen Jahrhunderts.


Ludwig Ganghofer
1855-1920

Das Ende der Postkutschenzeit

Die erste Bäckerei im Ort wurde in der Post betrieben bis der Posthalter mit seinem Bäckermeister in Streit geriet und dieser sein eigenes Geschäft eröffnete.

Lorenz Bruckner, alte Sauerlacher erinnern sich noch an ihn, war Postillion und fuhr vor dem Ersten Weltkrieg auf der landschaftlich reizvollen Strecke von Schliersee nach Bayrischzell, sein Haus steht noch heute an der Hofoldinger Straße Nr. 2.

Außerdem wird von einem Postillion berichtet, der über Hofolding nach Faistenhaar fuhr und dabei, stolz auf seiner von zwei Pferden gezogenen Kutsche sitzend, manche schöne Melodie blies.

Wann bei uns die Postkutschenzeit zu Ende ging konnte nicht genau geklärt werden. Überliefert wurde nur, dass 1931 der Poststall Wolfrathausen den Betrieb einstellte, über den bereits 1786 der Geheime Rat Johann Wolfgang v. Goethe nach Italien reiste.

Die letzte Postkutsche fuhr in Oberbayern im September 1938 von Holzkirchen nach Dietramszell.

(Text mit inhaltlichen Anleihen und Textpassagen von Reinhold Löschinger "Die Lidl´sche Posthalterei")